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Geschichte

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„Mörsdorf"- ein Dorf im schönen oststhüringer Land .

der Ort


Ein kleiner Ort im Saale-Holzland- Kreis in der Nähe des Hermsdorfer Autobahnkreuzes im Eck zwischen der A4 und der A9 an der Teufelstalbrücke. Durch Mörsdorf führt die Landstraße L1076 von Stadroda Richtung Kreuzstraße (Hermsdorf, St. Gangloff).
Woher der Ortsname stammt, lässt sich nur vermuten.

Um 1150 sprach man von „Mertensdorf“, „Martinsdorf“,
ab 1520 sprach man von „Mersdorf“,
seit 1600 „ Mörsdorf“, laut Ortschronik.

Um 900 herum entstanden in diesem Gebiet erste sorbische Siedlungen, die jedoch kriegerischen germanischen Stämmen weichen mussten. Waldreichtum und fruchtbare Böden zogen aus Westen und Südwesten einwandernden Franken und Thüringer an.

1457 war die erste urkundliche Erwähnung von Mörsdorf (als Mertensdorf) im Erbzinsregister von Roda. Weil Mörsdorf ein Straßendorf war, wurde es wie viele andere Orte des öfteren von kriegerischen Truppen geplündert, verwüstet und abgebrannt. Mörsdorf stand vor seinem Untergang.
Die damaligen wenigen Mörsdorfer Einwohner haben durch ihren Fleiß ihren Ort wieder aufgebaut und sie blieben bodenständig. Mörsdorf liegt geografisch auf einem Höhenzug zwischen Saale und Elster in einer kleinen Talsenke (alter Ortskern). Durch Mörsdorf fließt kein Bach, aber das Mörsdorfer Gebiet ist reichlich mit Grundwasser versehen, alle Mörsdorfer Teiche werden mit Grundwasser gefüllt. Die damaligen Ansiedler mussten Wassersammelstellen schaffen, um das Wasser auch in Trockenperioden für Tier und Mensch und auch für Löschwasser zu sammeln. Eine primitive, für den Notfall aber doch nützliche Vorsorge war das Anlegen von flachen Wassermulden hinter jedem Gehöft, in denen sich Schmelz-, Regen-, und Grundwasser sammeln konnte, das dann auch als Löschwasser verwendet wurde.

Mit Schöpfgeräten, Ledereimern, Holzriemen, Krügen und Butten wurde es dann zum Brandherd  getragen. Gleichzeitig dienten die Wassertümpel zum Bleichen und waschen von Flachs und zum tränken von Vieh. Auch heute noch sind hinter einigen Gehöften Vertiefungen oder Mulden zu finden. Bis zur Jahrhundertwende hat ein Nachtwächter von 22.00 bis 4.00 Uhr nachts in Mörsdorf stündlich als Ordnungshüter für Ruhe, Gefahr und Brand seinen Dienst ausgeübt.
Er blies mit seinem Horn und rief seine Anwesenheit unter den 200 Jahre alten Linden auf dem Berg in die Nacht hinaus:

„Hört Ihr Leut` und lasst euch sagen, die Glocke hat jetzt zehn geschlagen. Der Herr behüt` das Feuer und das licht, dass diesem Ort kein Unheil gebricht. Lobt Gott den Herrn!“ Bei Feuergefahr blies der Nachtwächter kräftig dreimal in sein Horn und rief laut
( im Wechsel) Horn: --  --  --      Ruf: Feuer -- es brennt -- Feuer
Dazu wurde von Kirchendiener eine Glocke geläutet.


Bei größeren Bränden wurden auch Feuerboten zu Fuß oder zu Pferd in die Orte Bollberg, Dorna, Quirla und Roda geschickt um Hilfe zu holen.
Die Kirche in Mörsdorf verfügte damals über einen eigenen Löschteich. Dieser ist an der Hauptstraße im Ort gegenüber dem oberen Dorfplatz (1996 gegenüber der Telefonzelle) zu sehen, ist heute in Privatbesitz und wird noch als Löschteich von der Feuerwehr genutzt.

die Gründung der Feuerwehr


1884 gab es Anfänge einer gemeinsamen Feuerabwehrhilfe, die über eine rein nachbarschaftliche Brandhilfe hinausging -- dies war die erste Feuerwehr.
In allen Orten, auch Mörsdorf, wurden gemeinschaftliche Hilfsmittel und Gerätschaften zur Brandbekämpfung  angeschafft. Es wurden Feuerrotten gebildet, das waren Männer aus dem Dorf z.B. Bauern, Schmiede, Stellmacher und andere Handwerker, die im Ort tätig waren und bei Bränden sofort Hilfe leisteten. In der Nähe der alten Mörsdorfer Schule auf dem oberen Dorfplatz (1996 noch Verkaufsstelle) stand ein kleines Fachwerkspritzenhaus sowie an der Kirchenmauer eine überdachter Leiternstand.
Der Bau des alten Spritzen- und Leiternhauses ist unbekannt.
1911 wurde in gemeinschaftlicher Anschaffung mit Bollberg eine Feuerspritze gekauft. Diese wurde im Spritzenhaus untergebracht.

Nachweisliche Ratsbeschlüsse von Mörsdorf“:

  • 22. März 1911: Für die Benutzung der Feuerleiter soll ein Abtrag von 10 bis 13 Pfennig erhoben werden.
  • 19. Oktober 1911: Zwei neue Spritzenmeister wurden gewählt, erster Spritzenmeister - E. Rolle, Stellvertreter und zweiter Spritzenmeister - H. Rodigast.
  • 21. November 1911: Spritzenprobe Sonntag, den 24. November, ab 8.00 Uhr
  • 1912 wurde das Dach des Leiternhauses erneuert sowie eine neue Steigleiter angeschafft. Noch 50 Meter Spritzenschlauch sollen beschafft werden.
  • 23. März 1914: Der Kanal unter der Straße am Spritzenhaus soll repariert werden.
  • 2. Mai 1917: Abgabe lederner Feuereimer.
  • 11. Oktober 1921: Bekanntgabe der Feuerrotten.

Aufgrund der anfallenden Reparaturen der Feuerspritze wurde zwischen Mörsdorf und Bollberg ein Spritzengemeinschaftsvertrag abgeschlossen. In Mörsdorf entstand eine Vereinigung von Männern, die als Notfeuerwehr angesehen werden konnte. Sie nannten sich Feuerrotte, die die Feuerspritze bedienten, Leitern uns sonstige Löschgeräte in Ordnung hielten - und das alles auf freiwilliger Basis ohne Bezahlung. Anfang der 20er Jahre kam es öfters zwischen Mörsdorf und Bollberg wegen der gemeinsamen Benutzung der Feuerspritze zu heftigen Auseinandersetzungen. Beide Gemeinden haben nach vielen Beratungen und Debatten eine Lösung gefunden.
Mörsdorf übernahm die gemeinschaftlich angeschaffte Feuerspritze und leistete den Bollbergern zur Anschaffung einer neuen Feuerspritze eine finanzielle Beihilfe. Bollberg kaufte eine neue Handdruckspritze zum Preis von 31.700,00 Mark.
Mai 1924: Der Landesbrandmeister von Thüringen gibt bekannt, dass aufgrund des neuen Feuerwehrgesetzes eine Neueinteilung und Neuorganisieru
ng der Ortsfeuerwehren unbedingt nötig ist.

Am 3. Mai 1924 wurde in einer Gemeindesitzung der Ortsbrandmeister, Herr Walter Steingrüber sen., einstimmig gewählt. Spritzenmeister und Stellvertreter blieben die vorigen. Eine Aufteilung der Rotten:
Der ersten Rotte wurde der Oberfeuerwehrmann Max Köcher,
als Stellvertreter Rodolf Planer jun. zugeteilt.
Der zweiten Rotte wurde der Oberfeuerwehrmann Ernst Senf,
als Stellvertreter Hugo Preller zugeteilt.
Der ersten Rotte wurde der Oberfeuerwehrmann Emil Schmidt,
als Stellvertreter Max Vogel zugeteilt.
Feuerboten: Emil Peisker und Erich Peter.
Spritzenführer: Albin Putze, Vertreter Ernst Senf.

Des weiteren erwies sich als notwendig, dass noch 100 Meter Spritzenschlauch angeschaffte werden, da unsere vorhandenen Schläuche zu den weiter entfernten Gehöften nicht reichen. Von Altenburg wurden Schläuche mit Verschraubung pro laufenden Meter
zu 55,00 Mark angeboten.


Im Mai 1924 wird dem Elektro- werk Roda ein Auftrag erteilt, elektrisches Licht in das alte Spritzenhaus zu verlegen.
Im August 1924 wurde der Spritzengemeinschaftsvertrag zwischen Mörsdorf und Bollberg aufgelöst.

4. Juni 1925: vom Landesbrandmeister wurde der Gemeinde Mörsdorf vorgelegt. Eine Pflicht- oder Freiwillige aufgrund des Feuerwehrgesetzes Thüringen zu organisieren.
Mehrere Debatten bewirkten die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr.
10. September 1925: Die Satzung und Bildung über die Freiwillige Feuerwehr wird zur nächsten Gemeindeversammlung zurückgestellt.

Nach mehreren Beratungen und Gesprächen wurde im Mai 1926 der Grundstein zur Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr in Mörsdorf gelegt. 31 Mörsdorfer Feuerwehrmänner haben laut Feuerwehrliste ihren Dienst freiwillig aufgenommen. Die amtliche anerkannte Freiwillige Feuerwehr zu Mörsdorf schreibt in ihrer Sitzung unter §1 „ Die Freiwillige Feuerwehr zu Mörsdorf ist eine Vereinigung von Männern, die die Ehrenpflicht übernehmen, bei Feuergefahr oder sonstigen Fällen gemeiner Not möglichst rasch und in zweckmäßiger Weise Hilfe zu leisten, nach den Vorschriften der vom Land Thüringen geltenden gesetzlichen Bestimmungen und behördlichen aufgestellten Richtlinien.“

Unter den damaligen Bedingungen war folgende Aufstellung in der Feuerwehr notwendig:
1 Ortsbrandmeister
2 Oberfeuerwehrmänner
1 Oberfeuerwehrmann als Stellvertreter
1 Zugführer
1 Stützleiterführer
6 Feuerwehrmänner
12 Druckmänner
2 Signalisten
1 Sanitätsmann

Die Alarmierung im Ort wurde bei feuer mit einem Horn durch den Signalisten und einer Glocke durch den Kirchendiener ausgeübt. Auch Feuerboten wurden laut liste angegeben.

An Gerätschaften standen der Feuerwehr zur Verfügung:
1 Handdruckspritze 14 cm Zylinderdurchmesser mit Saugwerk
23 Druckschläuche 44mm Durchmesser 300m Länge
2 Strahlrohre und mehrere Steigleitern (Holz)

Dezember 1928: Der Landrat des Landkreises Stadtroda gibt bekannt:
Betreff: Löschhilfeverordnung
Gemeinden, die nicht weiter als 10 km voneinander entfernt liegen, verpflichten einander, bei einer Feuersbrunst Hilfe zu leisten. Für die Gemeinde Mörsdorf gilt folgendes:

Sie hat Löschhilfe zu leisten in:
ohne Anruf

Bollberg                                                                                                                          Quirla

Nur auf besonderen Anruf

Dorna
Möckern
Stadtroda
St. Gangloff
Reichenbach
Schleifreisen

Ihr wird Löschhilfe geleistet von:
ohne Anruf

Bollberg                                                                                                                                  Quirla

Nur auf besonderen Anruf

Dorna
Möckern
Ulrichswalde
Stadtroda


Laut Feuerliste von 1930 ist zu entnehmen, dass sich der Bauzustand des alten Gerätehauses in einem mangelhaften Zustand befindet. Es wurde mit der Feuerwehr und den Ratsmitgliedern debattiert, das alte Gerätehaus Instandzusetzen oder den Bau eines neuen Gerätehauses zu organisieren.

1933 wurde ein neues Feuerwehrgerätehaus als ein massives Gebäude mit Steigturm in unmittelbarer Nähe des Dorfteiches am unteren Dorfplatz errichtet.

Am 24. November 1936 wurde eine neue Satzung der Freiwilligen Feuerwehr Mörsdorf erstellt. Aufgrund der errichteten Satzung ist am 31.März 1937 ins Vereinsregister Nr. 72 für die Freiwillige Feuerwehr Mörsdorf der Eintrag bewirkt worden.
Stadtroda, den 29. September 1937
Das Amtsgericht, Justizamtmann Dietel


Interessant zum Schmunzeln und mit heute zu vergleichen!
Laut rechnungsbelegen der Feuerwehr Mörsdorf bei Jahresberichten, Versammlungen sowie Tanzveranstaltungen in den 30er Jahren:

z.B.
für Tanzgenehmigung „Stagma“ 7,00 Mark
für 4 Mann Musik für tanz gespielt 25,00 Mark
für 12 Glas Bier (Oskar Hempel) 3,00 Mark
für 52 Glas Lagerbier (Richard Serfling)  13,00 Mark
für 40 Bier (Oskar Hempel) 12,00 Mark
für Getränke und 1 Mann Musik 25,50 Mark
für Saalmiete (Oskar Hempel) 25,00 Mark

„Gebe hiermit meine Verbundenheit mit der Freiwilligen Feuerwehr zum Ausdruck durch eine kleine Spende von 20,00 Mark. Auf ferneres Blühen und Gedeihen grüßt Schmiedemeister  Walter Liebold, Hufbeschlag- Wagenbau- Neuanfertigung von Geräten, Mörsdorf, Kreis Stadtroda“.


1938 wurde die Anschaffung eines Schlauchwagens getätigt, welcher mit B- Schläuchen ausgerüstet ist.
Der Schlauchwagen mit Holzrädern hat bei Übungen und Einsätzen gut Dienste geleistet und ist heute noch in einem guten Zustand.

Von 1930 bis 1939 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war laut Feuerliste eine Mannschaftsstärke von 33 bis 26 Angehörigen der Feuerwehr.

1941 wurde eine weitere Anschaffung gemacht. Die Mörsdorfer Feuerwehr erhielt die erste Motorkraftspritze 4/600 Fabrikat Dittmann Weimar, 13m Saugschlauch, 405 m Druckschlauchlänge 52mm Durchmesser. Somit wurde der Einsatz der Handdruckspritze durch die Motorkraftspritze abgelöst. Leider ist es nicht möglich, den verbleib der Handdruckspritze nachzuweisen. Niemand weiß, wohin sie verschwunden ist.
Der zweite Weltkrieg hat auch in der Mörsdorfer Feuerwehr durch Einberufung zur Wehrmacht Spuren hinterlassen. Frauen wurden als Feuerwehrhelferinnen benannt. Mörsdorf konnte in den Kriegsjahren 20 Feuerwehrhelferinnen nachweisen. Es wurde eine erste Frauenmannschaft und eine zweite Mannschaft ausgebildet. Auch Männer, die im Rentenalter waren, wurden Angehörige der Ortswehr.

 

die Feuerwehr heute


Artikel über die Freiwillige Feuerwehr Mörsdorf, von 1945 bis heute folgt!

Quelle:

Festschrift zum 70 Jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Mörsdorf

"Die Geschichte der Mörsdorfer Feuerwehr" von Heiner Scheibe (Ortsbrandmeister 1996)

Schlauchwagen von 1938